Deutschland und seine Doktorentitel. Nach Karl Theodor zu Guttenberg steht jetzt Bildungsministerin Annette Schavan im Fokus. Erst war der Doktorentitel weg, jetzt ist sie das Ministeramt los. Angela Merkel hat sich lange bedeckt gehalten. Die Kanzelerin wartete einmal mehr ab, wie Opposition und Öffentlichkeit mit der Thematik umgehen. Schavan nahm ihr am Ende eine mögliche Entscheidung ab. Da der Fall Schavan länger zurückliegt und dadurch nicht direkt mit dem von zu Guttenberg zu vergleichen war, hätte die Ministerin mit einem blauen Auge davonkommen können. Doch der Druck war am Ende zu groß und gerade das Argument Vorbildfunktion spielte eine nicht unerhebliche Rolle. Egal, wie schwer der Fall wiegt: der Glaubwürdigkeit unserer Politiker hat es wieder geschadet.
Ein neues Projekt soll Langzeitarbeitslose, also Hartz-IV-Empfänger, zwischen 25 und 34 Jahren zukünftig besser vermittelbar machen. Diese Zielgruppe soll hierzu schwerpunktmäßig in den Ausbildungsmarkt vermittelt werden, da viele von ihnen überhaupt keinen Berufsabschluss haben. Nach dem Motto: Ausbildung für alle. Das Projekt macht durchaus Sinn: zum einen gibt es derzeit in vielen Regionen Deutschlands mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Zum anderen hilft den jungen Leuten eine solide Berufsausbildung mittel- und langfristig mehr, als eine kurzfristige Niedriglohn-Beschäftigung. Jetzt liegt es an der Umsetzung, damit sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern wirklich geholfen wird. Die Ausbildungsplätze dürfen keine verkappten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sein und die jungen Leute dürfen nicht als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden. Den Arbeitssuchenden müssen die Chancen erläutert werden, die sich durch eine Ausbildung ergeben. Es ist eine große Chance, dem Leben als Arbeitslosengeldempfänger zu entkommen.
Es geht also doch. Die deutsche Fußballnationalmannschaft kann also doch noch Testspiele gewinnen. Mit Frankreich wurde dabei auch noch eine der sogenannten großen Fußballnationen geschlagen. Das Verblüffendste dabei: es wurde sogar noch schöner Fußball gespielt. Selten in den vergangenen Jahren gab es von einem deutschen Team eine solche Laufbereitschaft in einem Testspiel. Selbst von Rückschlägen wie dem 0:1 kurz vor der Pause ließ man sich diesesmal nicht beeindrucken. Man blieb der eigenen Linie treu, drehte das Spiel in Halbzeit zwei und gewann am Ende mit 2:1. Es war der erste Sieg in Frankreich seit 1935. Nur kurz vor Schluß wackelte man ein wenig und verfiel für einige Minuten in den alten Trott. Am Ende stand die Erkenntnis, dass das deutsche Team dieses mißglückte EM-Jahr 2012 vergessen lassen will. Es war ein guter Auftakt, nahezu perfekt, um auch das zuweilen überkritische deutsche Publikum wieder für sich zu gewinnen. Dabei fehlten sogar noch einige Leistungsträger wie Schweinsteiger, Götze und Klose. Doch dieser Jahresauftakt macht Lust auf die nächsten Auftritte des DFB-Teams und lässt hoffen auf ein baldiges Ende der titelosen Zeit.
Die Eröffnung des Straßenkarnevals in Trier wurde im vergangenen Jahr überschattet von zahlreichen jugendlichen Alkoholsündern. Teilweise wurde bis zu Besinngslosigkeit Alkohol konsumiert. Es war ein trauriges und schockierendes Bild, das sich Polizei und Ärzten und auch den Anwohnern 2012 bot. Als Konsequenz gab es in diesem Jahr am Weiberdonnerstag auf dem Hauptmarkt nur eine kleine Veranstaltung. Im gesamten Innenstadtbereich galt in der Öffentlichkeit Alkohlverbot. Das Ende vom Lied: es kamen nur wenige Narren in die Stadt und es kam so gut wie keine Stimmung auf. Das kann nun auch nicht gewollt sein, auch wenn es die älteste Stadt Deutschlands damit sogar ins Fernsehen schaffte. Doch wie kann man zukünftig angemessen feiern und gleichzeitig solche Ausfälle wie 2012 vermeiden? Warum macht man es z.B. nicht wie beim Trierer Altstadtfest? Man definiert einen sogenannten Festbereich (z.B. mit Gittern) und kontrolliert die Einlässe dazu. Es dürfen keine Getränke mit hinein genommen werden. Innerhalb dieses Festbereichs könnte gefeiert werden und es könnten auch alkoholische Getränke verkauft werden. Schließlich funktioniert das auch bei Stadtfest und Moselfest, warum nicht auch an Fastnacht? Oder will man zukünftig auch Straßenfeste verbieten? Getränkestände mit Mineralwasser und Tee sind zwar gut gemeint, aber überflüssig. Die anderen närrischen Hochburgen lachen sich über Trier kaputt. Stadt und ATK sollten sich nach den närrischen Tagen schleunigst an einen Tisch setzen und aufhören, die Verantwortung herumzureichen. Entweder man will feiern oder nicht. Dazwischen gibt es nichts. Auch die Schulen müssten hierfür noch mehr ins Boot genommen werden. Konsequenter und regulärer Unterricht an Weiberfasching ist doch nicht zuviel verlangt. Außerdem müssen bereits im Vorfeld die Eltern in einem offenen Brief über die Sachlage informiert werden. Einfach alles abzusagen oder “Karneval light” zu praktizieren, ist keine Lösung. Dann sollte man die Eröffnung des Straßenkarnevals zukünftig wirklich besser komplett absagen.
Am vergangenen Donnerstag wurden die 63. Berliner Filmfestspiele eröffnet. Am gleichen Tag startete der neue Film “Kokowäh 2″ von Til Schweiger in den Kinos. Ein Schelm, wer da was Böses denkt. Während in Berlin das Arthouse-Kino dominiert und eher schwierige Themen auf der Agenda stehen, will Schweiger einfach nur das Publikum unterhalten. Und spaltet damit die Filmnation. Die einen stöhnen schon auf, wenn sie nur seinen Namen hören, die anderen pilgern wegen ihm ins Kino. Schweiger ist ein begnadeter Filmemacher, der hervorragend unterhalten kann. Nicht mehr und nicht weniger.”Knockin on heavens door” oder “Barfuss” sind auch noch Jahre nach ihrer Kinoauswertung genau das Richtige für einen unterhaltsamen Filmabend. Doch leider hat sich Schweiger von Hollywood anstecken lassen und verlegte sich in in den vergangenen Jahren immer mehr auf die Fortsetzungen seiner erfolgreichen Beziehungskomödien. Seine Filme haben fast immer das gleiche Schema, sie sind handwerklich hervorragend gemacht, aber völlig überraschungsfrei. Dabei war es gerade Schweiger, der Ende der 90-er Jahre und Anfang des neuen Jahrtausends mit immer neuen Ideen das deutsche Kino verzückte. Diese Zeiten sind vorbei, er setzt stattdessen auf altbewährtes, geht also auf Nummer sicher. Der Erfolg gibt ihm Recht. Fast alle Ausflüge außerhalb des Genres der Komödie sind gefloppt, also bleibt der Schuster bei seinen Leisten. Das ist sein gutes Recht, allerdings muss er sich dafür auch Kritik gefallen lassen. Darauf reagiert aber ausgerechnet der Medien-Profi Schweiger sehr dünnhäutig. Seine jeweils neuesten Werke werden den meisten Filmkritikern der Nation vorenthalten, d.h. die Damen und Herren der schreibenden Zunft müssen mit dem “normalen” Kinofan warten bis zum offiziellen Start. Der Grund ist klar: Schweiger will im Vorfeld keine negativen Kritiken über seine Filme lesen. Über sowas sollte der neue Tatort-Kommissar doch drüber stehen. Übrigens: am Wochenende ging Schweiger auf der Berlinale über den roten Teppich. Er war in einer Nebenrolle eines Berlinale-Beitrags zu sehen.